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Diesel und nicht nur

am 22.02.2012 veröffentlicht

Namen, Verdienste und Denkmäler

Namen, Verdienste und Denkmäler

In meinem ersten Jahr in Augsburg habe ich entdeckt, dass ein alter Park an seinem Rande einen typischen japanischen Steingarten beherbergt. Der Text auf einer großen Betonplatte verlautete, dass es ein Geschenk eines japanischen Unternehmers, des Präsidenten einer Dieselmotoren-Firma, an die Stadt ist, in der Rudolf Diesel seinen Motor geschaffen hat, zum Gedächtnis an den Schöpfer.

Der Dieselmotor ist in Augsburg geschaffen? Ich fing an, nach Denkmälern von Diesel in der Stadt zu suchen. Es gab dort keinen. Eine Straße mit seinem Namen existierte, aber am Stadtrand, in einer Industriezone. Die zentralen Straßen trugen, wie auch in einer beliebigen Stadt, die Namen aus der üblichen langweiligen Garnitur von Königen, Prinzen, Kanzlern und lokalen Bürgermeistern. Die Denkmäler in der Stadt waren für diejenigen, die regiert oder Kriege geführt haben. Die Suche im Internet hat bestätigt, dass es ganz Deutschland ähnlich ist. Was sollte das bedeuten? Die Japaner ehren den Erfinder, sein Heimatland dagegen nicht?!

Die Missachtung des Erfinders seitens der Gesellschaft hat mich so stark berührt, dass ich mich gewagt habe, an dem Stadtrat zu wenden und vorzuschlagen, die Schaffung eines solchen Denkmales zu organisieren. Finanzierung? Man soll nur alle Besitzer von Dieselautos bitten, 1 Euro für ein Denkmal für den Schöpfer des Motors zu spenden. Die vorläufige Umfrage hat ergeben, dass die Dieselfahrer ihre Gefährten sehr lieben und einen Obolus für das Denkmal des Schöpfers des Dieselmotors gerne geben würden. Weiter – wie geschmiert: Wettbewerb, Auswahl und ein Denkmal auf, zum Beispiel, dem Bahnhofplatz, als eine Begrüßung aller Ankommenden. In der Stadt hat man mich höflich angehört – und Schluss.

Ich war verwundert. Augsburg, wie auch jede Stadt und jedes Städtchen in Deutschland, versucht sein „Steckenpferd“ zu finden, dank dessen man Gäste in die Stadt anlocken kann. Dabei stellt sie sich mit Mühe als Mozartstadt (hier wurde wirklich Mozart geboren, aber nicht Wolfgang Amadeus, sondern sein Vater Leopold), als Brechtstadt (obwohl Brecht in Augsburg geboren wurde, liebte er die Stadt aber nicht und behauptete, dass einzige in ihr Gute die Eisenbahn nach München ist) und als Stadt des Fuggers, des großen mittelalterlichen Bankiers, aus. Mehr nichts. Ungeachtet der Tatsache, dass der Name von Rudolf Diesel mit Augsburg unmittelbar verbunden ist und sogar dort bekannt ist, wo man kaum etwas nicht nur über die Existenz Augsburgs, sondern über die Existenz Deutschlands und Europa weiß. Und die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, wo alles anfing, produziert auch heute noch in Augsburg riesige Schiffsdieselmotoren.

Als mein Ärger sich beruhigt hatte, habe ich mich erinnert, dass Diesel noch Glück gehabt hat, seine Motoren tragen noch bis heute seinen Namen. Viel weniger Glück hatte Nikolaus Otto: In Deutschland ist der Begriff Ottomotor noch heute lebendig, in anderen Ländern ist der Name des Erfinders völlig vergessen.

Im Übrigen ist er nicht einsam. Sagt Ihnen der Name Douglas Engelbart etwas? Doch sie alle benutzen täglich die von ihm erfundene Computermaus. Wem ist Victor Mills bekannt, der die Pampers erdachte, die das Waschen der Berge von Windeln abschafft haben? Edward Jenner, der Erfinder der Impfungen, dank dessen die Pocken besiegt wurden, und Alexander Flemming, der Erfinder von Penizillin, des ersten Antibiotikums, kann man leicht in Wikipedia finden, der Namen von Nobutoshi Kihara, des Schöpfer des Walkmans, einen der Massengegenstände der modernen Kultur, kann man dort nur mit großen Anstrengungen finden.

Und wenn ich erfuhr, dass die Mehrheit der Deutschen, die die Namen von Fußballspielern und Sängerinnen gut kennen, sich kaum erinnern, dass in 2007 ein deutscher Wissenschaftler den Nobelpreis in Physik bekommen hat, ganz zu schweigen von dem Namen des Wissenschaftlers, habe ich verstanden, dass in Deutschland, wahrscheinlich, nicht denjenigen, die es verdient haben, verewigt und verehrt werden, wie es eigentlich auch in jedem anderen Land geschieht. Oder kennen Sie ein Land, wo die Situation anders ist?

(Iacov Grinberg)

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