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Die Brechtstadt gedeiht - seit 2006

am 17.02.2012 veröffentlicht

Joachim Lang ist für den Aufbau eines Brecht-Theater-Festivals kaum zu ersetzen. Von Jürgen Kannler

Joachim Lang ist für den Aufbau eines Brecht-Theater-Festivals kaum zu ersetzen. Von Jürgen Kannler  
 

Am 12. Februar ging das vorerst letzte von drei Brechtfestivals unter der Leitung von Joachim Lang zu Ende. Nach dem Film und der Musik in den Vorjahren setzte nun die Politik den Schlusspunkt seiner Dreierreihe. Das Ergebnis fiel lau aus. Zeitpolitische Fragen standen kaum auf der Agenda. Übrig blieb zu oft ein unsachliches Gezerre um die politische Heimat des Dichters. Es scheint vor allem für die konservativen Kräfte der Stadt nach wie vor nicht hinnehmbar, dass dieser Mann am linken Rand des politischen Spektrums zu verorten ist. Warum nur die Scheuklappen? In Zeiten kollabierender Märkte pflegen wir doch auch ein selbstbewusstes Verhältnis zu den Vorzeigekapitalisten aus dem Hause Fugger. Würde uns der Umgang mit Brecht ebenso gelingen, die Stadt wäre wohl eine etwas andere. Es geht nicht darum, ob und wann der Künstler Sozialist, Kommunist oder Stalinist war, sondern wie wir mit seinem Erbe umgehen. Wer wirklich Antworten auf Fragen der McCarthy-Ära suchte, der hätte sie beim Kongress "Dichter und Denker", der von der Uni im Rahmen des Festivals abgehalten wurde, finden können. Die Chancen standen dort ungleich besser als bei den zahlreichen Wortmeldungen aus der Politik.

Abgesehen von einem Jahr der "Zäsur" gedeiht das Thema Brecht in seiner Heimatstadt recht ordentlich. 2006 brachte Albert Ostermaier mit seinem ABC-(Augsburg Brecht Connected-) Festival für drei Jahre sommerlichen Schwung und Glanz in die Stadt. Gegen die damals in unserer Mitte verweilenden Künstler wirkten viele Gäste der letzten Jahre wie Zweitbesetzungen. Aber schon bei ABC wurde von der Politik versäumt, einen engen Schulterschluss zwischen Festival und Stadttheater einzufordern.

Joachim Langs Verdienste lagen zuerst darin, das Brechtthema zu erweitern und Schlaglichter auf einzelne Schwerpunkte zu richten. Mit Konsequenz bündelte er das beachtliche regionale Potenzial zum Thema und griff auch gerne darauf zurück. Die Häufung dieser, auch engen Etatvorgaben geschuldeten, Programmpunkte zeigten Wirkung auf das Qualitätslevel des Festivals, das dieser Bezeichnung nicht immer in jeder Hinsicht gerecht werden konnte. Lang wusste seine exzellenten Kontakte, nicht zuletzt zu den Machern rund ums Berliner Ensemble, für Augsburg zu nutzen und bewahrte die Brechtstadt so vor Schlimmerem. Allerdings waren die Programme immer wieder mit Zweitverwertungen durchzogen und trübten somit den Versuch, ein exklusives Erscheinungsbild der Brechtstadt zu schaffen. Und auch unter Lang scheiterte die Politik am Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit zwischen Festival und Theater.

Seine Berufung zu drei weiteren Jahren Festivalleitung kann sich für die Stadt dennoch als großer Gewinn erweisen. Keine andere Person hat in den kommenden Jahren auch nur im Ansatz die Möglichkeiten, wie sie Lang zur Verfügung stehen. Mit seinem Thema hat er quasi im Alleingang das vom Kulturreferat erdachte Biennalekonzept der Stadt gekippt. Das gibt politisches Standing. Aber auch seine bisherigen künstlerischen Erfolge und seine tragfähigen Netzwerke sind für den Umbau zu einem von ihm propagierten Brecht-Theater-Festival unerlässlich.  

 

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