Der Sinn des Lebens?
am 25.01.2012 veröffentlicht
Philosophisches Cafe in Augsburg
Es gibt einige Fragen, die man üblicherweise als ewige Fragen oder Kinderfragen bezeichnet: Was ist das Gute und das Böse, was ist Neid, gibt es ein Sinn des Lebens? Diese Fragen existieren zusammen mit einigen nebulosen Vorstellungen über ihre möglichen Antworten irgendwo am Rande unseres Bewusstseins und ihre ruhige und friedliche Existenz stört uns in der Regel nicht. Aber manchmal tauchen diese Fragen auf.
Ich bin am 13. Januar der Antwort auf die Frage „Sinn des Lebens“ ein Bisschen näher gekommen, mindestens hat sich die Unbestimmtheit dieser Antwort für mich verkleinert. Es war ein langes und sachliches Gespräch mit vielen Teilnehmern, während dessen mir klar wird, dass diese Frage nicht umsonst auftaucht. Jeder Mensch erlebt regulär, in einem Abstand von 7 bis 10 Jahren, eine Veränderung seiner inneren Werte. Was noch gestern wichtig und begehrt war, ist heute fast ohne ihre gestrige Bedeutung, die erreichten Ziele und Gipfel haben ihre Wichtigkeit plötzlich verloren. Es gibt eine Menge Beispiele, wenn die Menschen ihre erfolgreiche Laufbahn verlassen um sich ganz anderen Sachen zu widmen, vollkommen unverständlich für anderen, warum sie das machen. Ausgerechnet in der Zeit dieser Veränderungen der inneren Werte tauchen solche ewige Fragen auf. Der Mensch braucht eine Stütze für sein neues Wertesystem oder zur Rechtfertigung seines Benehmens vor sich selbst, vorheriges und/oder künftiges. Es gibt Dickhäuter, die diese Veränderung der Werte überleben, fast ohne dies zu bemerken, es gibt auch andere, empfindliche Menschen, die eine Antwort vehement suchen.
Es ist mir auch klarer geworden, dass wir über den Sinn des Lebens nur dann sprechen können, wenn wir eine deutliche Definition der Begriffe „Sinn“ und „Leben“ geben. Diese Begriffe stehen in einem engen Zusammenhang mit der ganzen Weltanschauung eines Menschen und folglich es ist unmöglich, einen allgemeingültigen Sinn des Lebens zu suchen. Suchen Sie bitte für sich selbst Ihren eigenen Sinn Ihres eigenen Lebens.
Natürlich sind diese Tatsachen aus der Sicht der Philosophie schon lange Zeit bekannt und fast selbstverständlich, aber für mich haben sie sich im Laufe des Gespräches aus etwas, was in einem Buch geschriebenen ist, in etwas, was ich wirklich verstehe und fühle, verwandelt. Ich habe diese Tatsachen nicht nur gehört oder gelesen, sondern noch im Gespräch erörtert und letztendlich „einverleibt“.
Aber was hat alles dieses mit dem 13. Januar zu tun? Es war der zweite Freitag im Monat, und ausgerechnet an solchen Freitagen sammelt sich in Augsburg das Philosophische Cafe. Es ist keine Neuigkeit, es existiert schon fünf Jahre und kann am kommenden Februar sein 5-Jähriges Jubiläum feiern. Eigentlich sammelt sich nicht das Cafe, sondern es sammeln sich Menschen, die keine gelehrten Philosophen sind, aber einen inneren Trieb haben, die Welt und ihre Ereignisse aus philosophischer Sicht zu betrachten und mit Gleichgesinnten (oder mit denjenigen, die eine ganz andere Sicht haben) zu erörtern, zu besprechen. An jeder solchen Versammlung kommen sowohl Stammteilnehmer, als auch zufällige Gäste, wie es ich am 13. Januar war. Die Tür steht für jeden offen.
Dieser Artikel ist keine Werbung für dieses Cafe, da der Saal an allen Abenden voll ist und nicht alle später kommenden Personen teilnehmen können. Das ist eine Anweisung an Sie, liebe Leser: Falls Sie manchmal einen inneren Trieb fühlen, die eine oder andere Frage zu erörtern, kommen Sie dort hin. Das Thema für eine nächste Sitzung wird aus den Vorschlägen der Anwesenden durch einfache Abstimmung bestimmt. Schlagen auch Sie Ihr Thema vor, vielleicht wird es bald besprochen.
Am 10. Februar wird, zum Beispiel, über die berühmte (oder berüchtigte?) Meditation und das Meditieren erst vorgetragen und danach diskutiert. Die Adresse lautet Bahnhofstraße 21, Ristorante „Passione“, ab 19:30. Willkommen, lieber Leser!
(Iacov Grinberg)
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