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Das Räuberkollektiv

am 17.02.2012 veröffentlicht

Fabian Alder inszeniert das große Werk des »Sturm und Drang« im Theater Augsburg. Eine Kurzkritik

Fabian Alder inszeniert das große Werk des »Sturm und Drang« im Theater Augsburg. Eine Kurzkritik

Wie brisant die Stoffe der deutschen Klassiker heute noch sein können, mag jeder Theaterbesucher selbst entscheiden. Ihre wahre Bedeutung entfalten viele davon wohl nur in ihrem historischen Kontext. Nicht ganz so extrem verhält es sich mit Friedrich Schillers erstem Erfolgsstück »Die Räuber«. Der Mix aus Verbrechen, Leidenschaft und Schuld unterhält seit Jahrhunderten sein Publikum. Darauf verweist auch das spaßige Bühnenbildmonster von Susanne Hiller mit seinem Stil-Allerlei. Eigentlich ein gemachtes Bett für eine Regie, die durchaus mit wunderbar ekligen Splatterfilm-Anekdoten zu unterhalten weiß.

Doch irgendwo zwischen Böhmerwald und Franken geht Fabian Adler der Sprit aus. Und das obwohl der Bühnensound von Oliver Roth sich anbot, die Tanks erneut zu füllen. Die erstaunliche Zitatensammlung des Musikers spannte sich vom deutschen Underground der 80er Jahre bis zu aktuelleren Beats und ermahnte immer wieder punktgenau zu neuem Sturm. Gut das Alder auf eine solide Schauspielertruppe bauen kann, die er auch zu führen weiß. Diese spielen als Kollektiv auf hohem Niveau, ohne wirkliche Ups and Downs. Natürlich hat aber jedes Kollektiv seine Helden. In unseren Fall heißen sie Lucy Wirth, die mit ihrer durchgeknallt schwebenden Amalia jeden Winkel des Herzens zu erreichen weiß und Tjarak Bernau. Den ungeliebten Sohn legt er als ohrenschmausenden Psycho an, wie ihn sich niemand als Nachbar wünscht und ihn doch so mancher hat. Man sieht aufs Neue: nur im wirklichen Leben sind die Bösen auch wirklich die Schlechten. (kaj)

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