Festival

Der Twitter-Brecht

Martin Schmidt
7. September 2020

Ein im Geheimen fertig geplantes Festival mit Tusch und Paukenschlag zwei Monate vor Beginn der Öffentlichkeit zu präsentieren, macht für die künstlerischen Leiter Jürgen Kuttner und Tom Kühnel in Zeiten großer Unwägbarkeiten wenig Sinn. Nur allzu schnell kann sorgfältig Geplantes von jetzt auf gleich veraltet und unmöglich geworden sein. Anstatt von Planungsunsicherheiten herumgeschubst zu werden, drehen sie den Spieß um und machen den Entwicklungsprozess des Festivals selbst sichtbar und zum Teil des Programms. Analog zu Bertolt Brechts Arbeitsjournal (1938-1955) lässt das Brechtfestival sein Publikum über einen Online-Blog hinter die Kulissen der Festival-Entstehung blicken. Die lose Dokumentation erscheint im Wechsel mit Texten von oder über Brecht oder von Künstler*innen, die im Umfeld von Brecht wirksam waren.

Der erste Eintrag vom 1. September 2020 stellt die Weichen:

»Genauso wie Brecht sein kreatives Schaffen dokumentierte, wollen auch wir unseren Prozess offenlegen. Mit den Einträgen in unserem Arbeitsjournal werden wir Brecht, sein Werk und das Kollektiv, das ihn umgab, umkreisen. Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarethe Steffin, Ruth Berlau und einige andere waren wichtige Mitarbeiterinnen für Brecht. Ihre künstlerischen Beiträge standen allerdings lange im Schatten der öffentlichen Figur, die Brecht nach außen darstellte. Ganz im Gegensatz zu ihrer Rolle als Brechts Freundinnen oder Geliebte. Mit Zeitzeugnissen, Schnipseln und Fundstücken aus den Archiven werden wir das spannungsreiche Verhältnis in Brechts Kollektiv dokumentieren. Dazwischen mischen sich Momentaufnahmen aus unserem eigenen, von den Folgen der Corona-Pandemie gebeutelten Arbeitsstand. Dazu zählen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, die sich genauso wenig wie wir von einem Virus davon abhalten lassen, neue Ideen zu entwickeln und sich öffentlichkeitswirksam mit Brecht und seinen Positionen zu beschäftigen.«

Der als Arbeitsjournal veröffentlichte Text von Bertolt Brecht ist ein Tagebuch, in dem er zwischen 1938 und 1955 Notizen über künstlerische Arbeiten und Anmerkungen zur politischen Situation niederschrieb.

Das Brechtfestival 2021 wird vom 26. Februar bis zum 7. März stattfinden. Es ist das zweite Festival unter der künstlerischen Leitung von Jürgen Kuttner und Tom Kühnel. Die erste Ausgabe im Jahr 2020 war als großes Spektakel mit vielen verschiedenen Einzelveranstaltungen, Gästen und Riesenrad angelegt. Für das kommende Festival soll es Live-Formate geben und solche, die auch in anderen Kanälen und im Pandemiefall funktionieren.

Das Brechtfestival Arbeitsjournal kann auf folgenden Kanälen mitverfolgt werden:

Webseite: www.brechtfestival.de |  Instagram: www.instagram.com/brechtfestival/ | Twitter: www.twitter.com/BrechtfestivalA |  Facebook: www.facebook.com/brechtfestival/  | Telegram: https://t.me/joinchat/AAAAAEpXs88Vhzn0-9i5bA

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