Club & Livemusik

Knister, knister, Mycrotom

Martin Schmidt
1. Juli 2021
mycrotom | Foto: Volker Bogatzki

Ratoratiyo – ein ungewöhnlicher Titel für ein Album und doch sehr passend für das Debutalbum von mycrotom. Denn alles,was der in Augsburg lebende Italo-Kanadier Tom Simonetti a.k.a. mycrotom in seiner seit mehr als 20 Jahren andauernden musikalischen Schaffensphase anpackt, ist irgendwie ungewöhnlich.Im positivsten aller Sinne .Angefangen mit seinem Wirken in Medien Bildung- Improvisationsprojekten und Bands wie Das Hobos, H oder Rhytm Police, seinen App-fokussierten Workshops für Musikproduktion bis hin zu seinem Faible dafür,die Geschwindigkeit einiger Platten von 45rpm auf 33rpmzu drosseln. Nicht zu vergessen natürlich das von Simonetti einst mitbegründetete Mongkong Musiknetzwerk, dessen langjähriges Wuchern und Wachsen sich als Homage und Huldigung in der Katalognummer des Albumswiederfindet – MKNG001.

Der Albumtitel »Ratoratiyo« – in seiner Originalform als »RA-TO RA-TIYO« – stammt aus der Sprache der Mohawk undbedeutet »the great hunter« / »der große Jäger«. Eine Bezeichnung, ein im Goldenhorseshore lebender Mohawk Native einst für Simonetti verwendete, ohne zu ahnen, wie passend und zutreffend dieser Namefür das musikalische Schaffen des Künstlers tatsächlich ist. Denn mycrotom ist ein großer Jäger. Immer auf derJ agd nach Details und Veränderung. Nach Polyrhythmen und kleinen (mycro-)Melodien, nach entscheidenden Wechseln im Basslauf, nach dem Neuen und Anderen, ohne dabei die vorher über Jahre und Jahrzehnte gesammelten musikalischen Einflüsse aus den Augen zu verlieren.

So ist RATORATIYO Tanz- und Listening-Album zugleich. Tanz - obwohl zumindest ein Teil der auf dem Album enthaltenen Stücke vom grundsätzlich eher DJ-unfreundlichen 5/4-Takt inspiriert sind. Und weil... ja, weil das im Endeffekt gar nicht auffällt. Vielmehr swingt und grooved es an allen Ecken und Enden, lugt hier ein Einfluss von Elektro ums Eck, während an anderer Stelle IDM beweist, dass sogenannte »intelligent dance music« halt doch für Bewegungsdrang sorgen kann. Und natürlich schaut auch das UK-zentrierte »hardcorecontinuum« vorbei, und besorgt mit tiefen Frequenzen und seinen vor allem mit dem Präfix »Post«- versehenen Derivaten, wie Post-Garage x Post-Dubstep xPost-Whatever für eine gewisse Form für Club- und Tanzflächentauglichkeit, die in sich wieder ganz einzigartig und vor allem mycrotom ist.Und Listening-, weil RATORATIYO auf Kopfhörern ganz hervorragend funktioniert.

Die Single »Iquitos Bird« anhören auf der aktuellen Spotify-Playlist von a3kultur!

Foto: Volker Bogatzki

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