Politik & Gesellschaft

Dem Lutherjahr folgt das Lutherjahr

Martin Schmidt
31. Mai 2018

Stadtdekanin Susanne Kasch spricht bei Luthers Aufenthalt 1518 in Augsburg von einem Ereignis weltgeschichtlicher Bedeutung: Die Reichsstadt war Schauplatz des einzigen offiziellen Aufeinandertreffens zwischen dem des Ketzertums bezichtigten Reformators und der römischen Amtskirche. Ein Treffen, das ursprünglich sogar in Rom stattfinden sollte und in der Folge nicht nur im Abendland, sondern weltweit geistesgeschichtliche und aufklärerische Weichen stellte. Luther widersteht dem Druck, seine Thesen zu widerrufen, musste aber gleichwohl am 20. Oktober 1518 aus Augsburg fliehen.

Nicht zu vergessen, dass Augsburg noch drei weitere Male eine historische Rolle in der deutschen Reformationsgeschichte spielen sollte: 1530 die Verlesung der Confessio Augustana, 1555 dann der Augsburger Religionsfrieden und 1999 (!) die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre in St. Anna. Zu Recht also gibt es in der Fuggerstadt ein ausgeprägtes Begehren, neben dem Wort Reformation nun auch das Wort Augsburg großschreiben zu wollen. Und: Das Reformationsjahr 2017 scheint die Stadt touristisch stark belebt zu haben. Regio-Direktor Götz Beck berichtet von einem jeweils fünfprozentigen Anstieg der Übernachtungs- und Gästezahlen. Und aus den USA, wo Luther sehr positiv besetzt sei, habe man im Reformationsjahr über ein Viertel mehr Besucher gehabt.

Nun also »Luther 2018 – Augsburg«. Als Highlight nennen die Veranstalter das Pop-Oratorium »Luther«, das am Donnerstag, 1. November 2018, im Kongress am Park über die Bühne gehen soll. Das Stück für Großchor und Schauspieler stammt aus der Feder von »Echo«-Preisträger Michael Kunze und Dieter Falk (Jurymitglied bei »Popstars« 2006 und 2007, Produzent von PUR, Monrose, Paul Young). Das Oratorium, ein Projekt der Creativen Kirche in Witten, war im Reformationsjahr 2017 groß auf Tour – unter anderem zu sehen in der Stadtkirche in Friedberg – und wird in jeder Stadt von einem eigens ins Leben gerufenen Projektchor aufgeführt. Im Mittelpunkt des Oratoriums, das eine flotte Melange aus Pop, Rock und Gospel bietet, steht Luthers Bekenntniskampf vor dem Reichstag in Worms. Für die Aufführung in Augsburg soll ein Gesangskörper aus 200 bis 300 Stimmen zusammenkommen. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Augsburgs Popkantor Hans-Georg Stapff wird das Stück an zwei Tagen erarbeitet.

Talk auf dem Sofa, Verhör vor dem Kardinal

In St. Anna soll von Dienstag, 9., bis Samstag, 20. Oktober, ein abendliches Talkformat stattfinden. Auf einem roten Sofa im von Kirchenbänken befreiten Ostchor des Gotteshauses begegnen sich jeweils von 18 bis 19 Uhr ein Moderator und ein prominenter Gast, im Fokus werden lutherische Themen stehen. Beim ersten Termin wird Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Foto) zu Gast sein, am Donnerstag, 18. Oktober, zum Thema »Gerechtigkeit« Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Im Museum Lutherstiege wird anhand einer Audioinstallation Luthers Verhör durch Cajetan zu hören sein (Eintritt frei). Eine Neuaufnahme erlebt Sebastian Seidels Lutherstück »Die Schrift ist von Gott« im Fugger und Welser Erlebnismuseum. Das Theaterstück führt Luthers Verhör durch Cajetan und die Confessio Augustana zusammen und in die Gegenwart. Die nächsten Aufführungstermine sind am Freitag, 12., und Samstag, 13. Oktober.  Ebenfalls im Fugger und Welser Erlebnismuseum: die monatliche Themenführung »Luther und der Kapitalismus – von Monopolbildung und Zinswucher« sowie Kinderführungen und Workshops für Schulklassen zu Lutherthemen.

Theologinnen und Theologen aus dem Dekanat Augsburg bieten von April bis Oktober 2018 Stadtspaziergänge auf Luthers Spuren an. Die besuchten Schauplätze sind St. Anna, das Fuggerpalais, die evangelische Ulrichskirche oder der Fronhof, wo 1530 die Confessio Augustana verlesen wurde. Am Sonntag, 5. August, 15 Uhr, wird eine solche evangelische Stadtführung von Stadtdekanin Susanne Kasch angeboten. Aber auch die Regio Augsburg Tourismus nimmt im selben Zeitraum Luther in ihr tägliches Stadtführungsprogramm auf, dazu Themenführungen (»Martin Luther und der Kurzweil viel«) und Schauspielführungen (»Martin Luther, Melanchthon und die Confessio Augustana«). Abrundung wird das Lutherjahr durch das Programm zum Hohen Friedensfest finden (22. Juli bis 8. August, Thema »Utopie. Was wäre, wenn …?«) und das Konzertfest spiritueller Musik »The Sounds of God« (2. November 2018, Parktheater).

www.augsburg-evangelisch.de
www.luther-oratorium.de

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